
Gefährdet! Geflüchtet. Gestrandet? Die Lage der Menschen in Afghanistan und ihre Situation in den Nachbarstaaten
Mittwoch 27.08.2025, 9:30 - 16:00 Uhr
Über 80 Interessierte, Fachleute und Engagierte folgten der Einladung zu der bewegenden Informationsveranstaltung zur Lage der Menschen in Afghanistan und ihrer Situation in den Nachbarstaaten.
Nach dem Abzug der internationalen Truppen und der Machtübernahme durch die Taliban hat sich die Situation für viele Menschen in Afghanistan dramatisch verschärft. Die Lage vor Ort zwingt viele Menschen zur Flucht. Millionen sind in Pakistan und im Iran, wo sie zumeist unter prekären und unsicheren Bedingungen, ohne Perspektive auf Schutz und in der Angst vor Abschiebung leben.
Nach der herzlichen Begrüßung durch die neue Integrationsbeauftragte, Dorothea Storch, informierte der langjährige Afghanistan-Experte und Mitbegründer des „Afghanistan Analysts Network“, Thomas Ruttig, über die aktuelle Lage in Afghanistan. Er ging dabei sowohl auf die derzeitigen politischen Verhältnisse und die Menschenrechtslage als auch auf die Regierungsführung der Taliban und die Verfolgungssituation spezifischer Gruppen und die sogenannte „Gender-Apartheid“ ein. Seine fundierten Ausführungen machten deutlich, wie komplex die politische und gesellschaftliche Situation vor Ort ist.
Anschließend berichtete Eva Beyer von Kabul Luftbrücke ausführlich zum Bundesaufnahmeprogramm Afghanistan und schilderte eindringlich die kritischen Lebensumstände afghanischer Geflüchteter mit Aufnahmezusagen in Pakistan. Per Live-Schalte beschrieb ihre Kollegin Elaha Hakim aus Pakistan die aktuellen Razzien und anschließenden Abschiebungen durch die pakistanischen Behörden. Es handelt sich um Menschen in höchster Not. Ihr mutiger Einsatz für Menschenrechte hat sie zu Verbündeten des Westens gemacht. Das droht ihnen nun zum Verhängnis zu werden. Die weitere Entwicklung bleibt offen und einige Betroffene werden von Kabul Luftbrücke mit Klageverfahren unterstützt.
Am Nachmittag informierte Henrike Bittermann von Caritas International, die selbst vor wenigen Wochen noch in Afghanistan war, zur Situation von Mädchen und Frauen sowie konkreten Hilfsprojekten vor Ort. Trotz schwierigster Umstände gelingt es, einzelne Projekte beispielsweise im Bereich Mutter-Kind-Gesundheit oder psychosozialer Unterstützung am Leben zu erhalten. Auch im Bereich humanitäre Hilfe und Ad-hoc-Hilfe nach Naturkatastrophen ist Caritas International mit Partnern vor Ort aktiv.
Besonders eindrucksvoll und berührend waren die sehr persönlichen Geschichten von Nahida Ahadi, Robaba Nayebi und Ahmad Shakib Omary. Offen und eindringlich erzählten sie im Podiumsgespräch von ihrer Tätigkeit für die Deutschen Truppen und Organisationen vor Ort, ihre Erlebnisse am Tag der Machtübernahme der Taliban, ihrer Evakuierung bzw. Ausreise und ihrem Ankommen in Thüringen sowie von ihren Zukunftsträumen. Ihre Stimmen machten deutlich, dass hinter allen Zahlen Menschen stehen – Menschen mit Mut, Engagement, Kraft und einem oft schweren Schicksal.
Tagesordnung
09:00 bis 09:30 Uhr | Anmeldung & Ankommen
09:30 Uhr | Begrüßung und Eröffnung der Veranstaltung
Dorothea Storch, Beauftragte für Integration, Migration und Flüchtlinge des Freistaats Thüringen
09:45 Uhr | Die aktuelle Lage in Afghanistan
Thomas Ruttig, Mitbegründer des Afghanistan Analysts Network
11:45 Uhr | Kaffeepause
12:00 Uhr | Die Situation geflüchteter Afghaninnen und Afghanen in Pakistan
Eva Beyer, Kabul Luftbrücke
13:00 Uhr | Mittagspause
Die Kantine des Regierungsviertels steht Selbstzahlenden zum Mittagessen zur Verfügung
14:00 Uhr | Vor Ort in Afghanistan – Hilfsprojekte von Caritas International
Henrike Bittermann, Caritas international
15:00 Uhr | Podiumsgespräch: Erfahrungsberichte von Afghaninnen und Afghanen
- Nahida Ahadi, Erfurt
- Robaba Nayebi, Gotha
- Ahmad Shakib Omary, Rudolstadt
Moderation: Rahmatullah Batoor, Büro der Thüringer Beauftragten für Integration, Migration und Flüchtlinge
16:00 Uhr | Ende der Veranstaltung
Die Veranstaltung richtet sich an alle haupt- und ehrenamtlich Aktiven in der Migrations- und Integrationsarbeit sowie alle interessierten Akteurinnen und Akteure, die die Entwicklungen in Afghanistan betreffen oder bewegen.
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